Die Bewahrpädagogik möchte Kinder und Jugendliche vor den Gefahren der Medien schützen. Ihren Anfang nahm die Bewahrpädagogik in der Kritik an der Schundliteratur während der Weimarer Republik. Der leichten, oberflächlichen und bildungsfernen Literatur wurde das "gute" Buch entgegengesetzt. Eine vergleichbare kritische Haltung entwickelten die Bewahrpädagogen gegenüber des Films, der die Wahrnehmung verfälsche und den Zuschauer durch das Vorspielen einer künstlichen Realität in die Irre führe. Auch nach dem Zweiten Weltkrieg hielt die Medienkritik an. Dr. Ulrich Beer führte in einem Buch den Begriff "Geheime Miterzieher der Jugend" an und kritisierte neben Zeitschriften, Büchern, Film und Rundfunk insbesondere Fernsehen und Video.
Beer sieht als Hauptgefahr die Reizüberflutung, die von den Medien ausgehe und der die Kinder und Jugendlichen schutzlos ausgeliefert seien. Die Gefahren sind nach Beer physischer und psychischer Natur:
- der Medienkonsum führt zu Bewegungsmangel - negative Folgeerscheinungen sind beispielsweise Übergewicht und Kreislaufstörungen
- Reizüberflutung führt zu Nervosität und Schlafstörungen
- Förderung der sexuellen Frühreife während die seelische und charakterliche Entwicklung zurück bleibt
- Konsumhaltung führt zur Passivität und hemmt die kreativen Kräfte
- verfälschte Wahrnehmung der Realität
- Verlust der Werte
Trotz der Gefahren sieht der Autor Chancen im Zusammenhang mit den Medien:
- Medien stoßen zum kreativen und produktiven Handeln an, wie beispielweise eigene Tonaufnahmen, Videodreh und Fotografieren.
In meinen Augen verleiten Medien zur Passivität. Wer lässt sich nicht gerne im Kino unterhalten oder vor dem Fernseher informieren? Diese Medien eignen sich hervorragend zum Abschalten und Entspannen. Doch bleibt es nur scheinbar köperlich beim Nichtstun, denn im Kopf setzt sich der Zuschauer mit dem Inhalte und den Bildern aktiv auseinander und verarbeitet die Informationen. Die Angebote im Internet unterstützen ebenfalls die Konsumhaltung, doch Web 2.0 Dienste wie Videoportale (You Tube), soziale Netzwerke (facebook) und Online-Enzyklopädien (wikipedia) laden zum Mitmachen ein. Noch nie war es so einfach, eigene Inhalte zu erstellen und sich im Netz zu präsentieren. Die ARD/ZDF Online Studie zeigt allerdings, dass nur sehr wenige die Chancen nutzen und es vorziehen, sich passiv unterhalten und informieren zu lassen (hier).
Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.
AntwortenLöschenGut, daß Du den Unterschied zwischen 'passiv auf einen einströmen lassen' und 'aktiv damit umgehen' ansprichst. Wie Du glaube ich, daß selbst, wenn man sich nur 'passiv berieseln läßt', in Wahrheit im Hintergrund mehr abläuft. Theunert et al. haben sich angeschaut, was Kinder im Fernsehen schauen, warum sie diese Dinge sehen, was sie daraus für sich selber "rausholen", wie sie damit umgehen, wenn sie etwas davon belastet, etc. Ich glaube, das ist etwas, was die klassische Bewahrpädagogik oft übersieht: Kinder sind nicht rein passive Opfer des Fernsehprogramms, sie wählen aktiv, rezipieren aktiv, verarbeiten aktiv. Und in Web2.0-Zeiten kommen noch andere Formen, sich aktiv mit Medien auseinanderzusetzen, dazu :-)
AntwortenLöschenHallo Judith,
AntwortenLöschenDu zeigst Mängel der Bewahrpädagogik auf. Es gibt noch andere Gründe, weshalb die Bewahrpädagogik Mitte der 60er Jahre an Bedeutung verlor. In dieser Zeit entwickelte sich eine Jugendkultur und die Jugendlichen suchten sich Vorbilder und Idole wie Elvis, James Dean oder Marlon Brando. Ein übereifriger Jugendmedienschutz konnte die jungen Rebellen nicht mehr schützen. Zudem gewann zu dieser Zeit das Fernsehen im Unterricht verstärkt an Bedeutung.
Wichtig finde ich wie Du einen reflexiv-praktischen Ansatz, der eine Wechselbeziehung zwischen Mensch und Medium zulässt im Gegensatz zu einer kritischen Sichtweise, die den Rezipienten als passives und manipulierbares Opfer sieht.