Sonntag, 12. Juli 2009

E-Mail als Form netzbasierter Kommunikation im Fremdsprachenunterricht


Anwendungsbeispiel im handlungsorientierten Französischunterricht (Bild)

Schülerinnen und Schüler schlüpfen in die Rolle einer Lehrbuchperson und schreiben aus der Fremdperspektive eine E-Mail als Aktivität in Moodle.


Im Fremdsprachenunterricht bildet das Schreiben eine zentrale Kompetenz, die durch den Einsatz netzbasierter Kommunikationsmittel wie E-Mail gefördert werden kann. Im Gegensatz zum Verfassen von Texten in Papierform, die im Unterricht laut vorgelesen werden und somit der reinen Rezeption dienen, ist das Schreiben im virtuellen Raum eine bidirektionale Handlungsform, die Ähnlichkeiten aber auch Unterschiede zur Face-to-Face-Kommunikation aufweist. Die Schüler verfassen Texte via E-Mail, die von Mitschülern, Lehrperson, Austauschpartnern im Zielsprachenland und weiteren bekannten oder unbekannten Adressaten nicht nur gelesen, sondern auch beantwortet werden, so dass Austausch und Kommunikation sowie im weiteren Sinne sogar Kollaboration und Aneignung von Wissen möglich wird.

Sowohl im Französisch- als auch im Spanischunterricht habe ich bereits die Standard-E-Mail-Kommunikation für unterschiedliche Zwecke eingesetzt und zeige im Folgenden Vor- und Nachteile netzbasierter Kommunikation auf.

1) Vorteile der E-Mail-Kommunikation gegenüber der Face-to-Face-Kommunikation

Durchdachte Nachrichten

Zeitversetzte Kommunikation hat den Vorteil, dass der Verfasser den Inhalt einer Mitteilung vor dem Senden durchgehen, korrigieren und besser ausarbeiten kann als in einer mündlichen Gesprächssituation. Auch der Empfänger hat vor Beantwortung der E-Mail mehr Zeit, sich mit dem Inhalt zu beschäftigen und eine Antwort genau zu überlegen (reviewability und revisability).

Orts- und Zeitunabhängigkeit

Wird das Schreiben von E-Mails in die Hausaufgaben verlegt, schreibt zwar jeder Schüler vordergründig am heimischen PC für sich, doch durch das Internet kann jeder zeit- und ortsunabhängig auf die Nachrichten zugreifen und es findet eine Kommunikation außerhalb des Klassenraums statt.

Permanenz

Die Schülerarbeiten werden gespeichert und können leicht für alle zugänglich gemacht werden. So können archivierte Beiträge zu jeder Zeit nachgelesen werden.


2) Problembereiche

Fehlende Kohärenz

Bei zeitversetzter Kommunikation besteht die Gefahr, den Zusammenhang der Nachrichten zu verlieren, wenn viel Zeit zwischen den einzelnen Kontakten liegt. Kommunikation droht leichter abzubrechen, da sie nicht synchron, sondern asynchron verläuft. Die Lehrperson kann im Unterricht zwar auf das Antwortverhalten ihrer Schüler Einfluss nehmen, doch im außerschulischen Kontakt mit Muttersprachlern (Austauschpartner) ist der Lerner auf sich alleine gestellt.

Fehlende paraverbale und nonverbale Hinweise

Fehlende paraverbale und nonverbale Hinweisreize erschweren die Interpretation der Nachrichten. Als Interpretationshilfe nutzen die Schüler häufig Emoticons, Smileys, Sound- und Aktionswörter,um Missverständnisse zu vermeiden.





1 Kommentare:

  1. Vielen Dank für die Reflexion Ihrer Erfahrungen mit Online-Kommunikationsmedien. Ihr Beispiel aus dem Fremdsprachenunterricht finde ich sehr anschaulich. Insbesondere bei E-Mails in einer anderen Sprache bin auch sehr froh, dass ich das Geschriebene noch mehrmals überarbeiten kann, bevor ich es verschicke. Zur Not mit einem Lexikon neben der Tastatur... In einem Live-chat oder iun der face-to-face Kommunikation natürlich vollkommen unvorstellbar. Das Missverständnisse in textbasierter KOmmunikation schnell entstehen, ist ein wichtiger Punkt. Insbesondere (textbasierte) Online-Kommunikation lädt ja förmlich zu schnellen und dadurch manchmal auch nachlässig formulierten Rückmeldungen ein. Emoticons können natürlich hilfreich sein non- und paraverbale Hinweisreize (ein Stück weit) zu kompensieren.
    Viele Grüße
    Barbara Getto

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